Friedrich Ch. Zauner: „Das Ende der Ewigkeit“, ein Romanepos in 4 Bänden, erschienen 1994-1996 in der Edition Geschichte der Heimat.
2026 bringen die Rainbacher Spiele Band 1 und 2 in der Theaterfassung von Babett Arens zur Aufführung.

Über

Ein abgelegener Landstrich im oberösterreichischen Innviertel in der Silvesternacht 1899 ‒ an diesem magischen Datum setzt die Geschichte der beiden Hauptfiguren ein: Da ist zum einen der halb erfrorene Maurits, ein etwa sechsjähriges Findelkind; zum anderen Theres, die gerade – als viertes Mädchen und wieder kein Stammhalter – im Dorfwirtshaus von Thal das Licht der Welt erblickt.

Zauner erzählt in seinem Epos eine Österreich-Geschichte „von unten“: Hier haben nicht die Herrschenden und Mächtigen das Sagen, sondern einfache Menschen, die in den entlegenen (fiktiven) Innviertler Bauernweilern Thal, Oed und Fegfeuer – am Vorabend von zwei Weltkriegen – ein meist hartes, entbehrungsreiches Leben führen. Der Zufall der Geburt spielt dabei eine schicksalshafte Rolle. „Beim ersten Schrei ist einem Thaler sein Leben vorgezeichnet“, heißt es bei Zauner, „sein Rang, seine Stellung in der Gemeinde, der Beruf, die Auswahl des Ehepartners, die Anzahl der Kränze auf seinem Sarg.“

Zimperlich durfte man nicht sein. Es wird viel getrunken, geflucht und gerauft. Anna, die Frau des Wirts im Thal, ekelt sich bis zum Erbrechen vor den Ausdünstungen in der Wirtsstube am Morgen nach den durchzechten und durchschwadronierten Nächten.
Das Sagen weitum hat der Großbauer Hölzenreytter, ein Großmaul, der sich überall wichtig macht, aber zu faul ist, um sich um die Belange des Hofes zu kümmern, und vor dem keine Magd sicher ist. Die eigentliche Bauernarbeit erledigt sein Großknecht Lorenz, der dabei voller Groll gegen das Schicksal ist, das ihn an den falschen Platz gesetzt hat. Und so piesackt er alle und jeden und ganz besonders drangsaliert er den Findel Maurits.

Der Pfarrer, eine Respektsperson zu jener Zeit, ist für die Moral zuständig und wettert gern von der Kanzel herab, ganz besonders gegen die „Kräuterhexe“ Vev, deren düstere Prophezeiungen alle mit Unruhe erfüllen und die man doch heimlich und verstohlen aufsucht, wenn man Liebestränke braucht oder auch Anderes. Und dann ist da natürlich, Maurits, der – allein auf der Welt – herumgereicht wird wie ein falscher Fuffziger, den niemand haben will und der sich mit verbissener Zähigkeit einen Platz in der Gemeinschaft erkämpft. Auch der Wirtstochter Theres passt die ihr zugewiesene Rolle nicht, aber alle Versuche, ihr den rebellischen Trotz auszutreiben, scheitern, und als es Zeit ist, sich zu verlieben, muss es ausgerechnet der unstandesgemäße Findel sein – und kein anderer.

Mit ein paar wenigen Federstrichen – und mit einer guten Prise (schwarzem) Humor – erschafft Zauner ein historisch getreues, lebensnahes Abbild einer dörflichen Gemeinschaft, wie man sie Anfang des 20. Jahrhunderts fast überall im Land hätte vorfinden können: Dazu gehört auch der Schneider Wigg, ein jammervoller Säufer, der die Wirtsgäste mit allen möglichen Nachrichten aus zusammen geklaubten Zeitungsschnipseln unterhält, um abgestandene Bierreste zu erschnorren; der jüdische Krämer Kratochvil, der mit diplomatischem Geschick einen Gemischtwarenladen in Thal führt oder der heruntergewirtschaftete Lixenbauer, das gelangweilte Postfräulein aus der Stadt und die vom Hölzenreytter geschwängerte blutjunge Magd Juli, die mit Schimpf vom Hof gewiesen wird.

Über all diesen Alltagsgeschichten – die in der Bühnenadaption des Romans von einem Erzähler zusammengehalten, kommentiert und weitergesponnen werden –, schwebt das Damoklesschwert des auseinanderbrechenden Kaiserreiches. Die politischen Unruhen werfen ihre Schatten bis in den letzten Winkel Österreich-Ungarns, bis die alte Welt schließlich im Donnergrollen des Ersten Weltkriegs zugrunde geht und auch in Thal, Oed und Fegfeuer nichts mehr so ist, wie es einmal war, und keiner mehr die Spielregeln für die neue Zeit kennt.