Friedrich Ch. Zauner: „Das Ende der Ewigkeit“, ein Romanepos in 4 Bänden, erschienen 1992-1996 in der Edition Geschichte der Heimat
Stimmen der Kritik
Karl Markus Gauß:
Aus: „Der Rand in der Mitte“, Die Zeit, 04.10.1996
„Er [Friedrich Ch. Zauner, Anm.] war schon über die Fünfzig hinaus, als er alle seine Energien auf ein einziges Projekt konzentrierte, das geradezu rettungslos abseitig anmutet: vier weitgespannte Romane, an die tausend Seiten einer geduldigen und überraschenden Prosa. Die Arbeit vieler Jahre hat Zauner darauf verwendet, die literarische Chronik eines abgelegenen Landstrichs im oberösterreichischen Innviertel zu schreiben. Was dabei herausgekommen ist, der Zyklus Das Ende der Ewigkeit , hat in der oberösterreichischen Gegenwartsliteratur kaum einen Vergleich und ist gewiss eine ihrer spannendsten Unternehmungen.“
Franz Haas:
Aus: „Der Untergang des Bauernlandes“, Neue Zürcher Zeitung, 03. 08. 1995
„Bernardo Bertolucci hat in seinem Film Neunzehnhundert Ähnliches unternommen: eine Darstellung der Geschichte dieses Jahrhunderts, nicht am Horizont der Weltmeere gemessen, sondern rund um den dörflichen Ententeich. Das regionale Idiom verschwand in den Synchronisierungen, übrig blieb ein bäuerliches Historienbild mit internationalen Stars. Die Authentizität von Stallgeruch ist beim reproduzierbaren Kunstwerk besonders zweifelhaft. Auch in der Literatur ist der dialektale Wortschatz oft nur zur Bereicherung von wenigen, für die Mehrheit ein unverständliches Ärgernis oder stimmungsvoller Hermetismus. Friedrich Zauner vermeidet solche Beschränkungen besonders im dritten Band seines Romanzyklus Das Ende der Ewigkeit. Da werden der oberösterreichische Dialekt und seine Grammatik sanft eingedeutscht, so dass nichts nach exotischen Orakelsprüchen klingt und dennoch die lokalen Farben erhalten bleiben.“
Wolfgang Huber-Lang:
Aus: Zeitgeschichte auf dem Lande“, Salzburger Nachrichten, 29. 01. 1994
„Wenn Zauners Romantetralogie abgeschlossen wird, dann ist die neue Heimatliteratur um einen in jeder Hinsicht gewichtigen Beitrag reicher: Nicht dumpf heimattümelnd, sondern scharfsichtig rückschauend; nicht Blut und Boden, sondern Licht und Schatten. Heimat, dunkle Heimat.“
Ilse Tielsch:
Aus: „Wie lange noch?“, morgen, September 1993
„Mit unglaublicher Raffinesse versteht es der Autor nämlich, anhand dieser, allen in der ländlichen Umgebung denkbaren sozialen Kasten zugehörenden Personen, ein subtiles, in seiner Genauigkeit kaum zu überbietendes Bild der Sozialstrukturen, darüber hinaus des ländlichen Lebens mit allen seinen Problemen zu zeichnen … Wie lange noch wird diese festgefügte Ordnung bleiben in Thal? Da und dort zeigen sich Risse und Sprünge.“
O.P. Zier:
Aus: „Friedrich Ch. Zauner Das Ende der Ewigkeit“, Literatur und Kritik, April 1995
„‚Früchte vom Taubenbaum‘ nennt Friedrich Ch. Zauner diesen dritten Band seines großangelegten Romanzyklus – ein weiteres Symbol der Auflösung: Der Taubenbaum trägt nichts, Theres will ihn ausstechen, Maurits genügt die Blüte im Frühjahr. Beginnt sich im ersten Band ‚Im Schatten der Maulwurfshügel‘ das Ende der Ewigkeit anzukündigen, es im zweiten – ‚Und die Fische sind stumm‘ – unausweichlich zu werden, indem die Bewohner dieser Einöde von Thal, Oed, Fegfeuer und Hinterm Wald in den Weltkrieg gerissen werden, so schreitet es nun weiter fort. Und Zauner ist ein vitaler Geschichtenerzähler, der Geschichte erzählt (keine Spur von Krise des Erzählens bei ihm) – mit Gespür für die Dramatik des genauen Blicks von unten – verblüfft er mit einer oft geradezu sachbuchhaften Exaktheit der Beschreibung der Details von Bräuchen, Arbeitsvorgängen, Naturschilderungen und Lebenssituationen, die dennoch selten aufgesetzt wirkt, sondern in die Erzählbewegung eingeholt wird. Gekonnt geschriebene Dialoge, ebenso wenig papieren wie die Charakterisierung des Personals dieser Romane, bilden einen weiteren Vorzug dieser Serie, dessen außergewöhnlichstes Merkmal jedoch das konsequent durchgehaltene österreichische Idiom der Sprache ist … Nicht nur vom Sujet her, sondern vor allem von der Vielzahl umgangssprachlicher Wendungen, die nicht zur altertümelnden Sprach-Kostümierung verkommen, hat Friedrich Ch. Zauner damit den wohl österreichischsten der österreichischen Romane von heute geschaffen.
Walter Münz:
Aus: „Das Ende der Ewigkeit“, Bayerischer Rundfunk, 01. 08. 1998
„Die Kritik hat die Dichte und Authentizität der epischen Prosa in diesem Werk gerühmt und gleichzeitig darauf hingewiesen, dass die zugrundeliegende Erzählhaltung weder den Traditionen der österreichischen Heimatliteratur noch jenen, der seit mehreren Jahrzehnten in destruktiver Nabelschau ausgeleierten Antiheimatliteratur zuzurechnen sei. Dem Leser, der sich auf die, in unangefochtener Ausführlichkeit gebotene Fülle dieses Geschehens einlässt, wird vielmehr das Mythische als tragendes Element der Handlung bewusst. […] Gerade wie bei Thomas Wolfe scheint auch bei Zauner die Gültigkeit einer schon lange bestehenden Seinsordnung gerade in der Wahrnehmung ihres unwiderruflichen Verfalls auf.“
Rolf Spinnler:
Aus: „Krieg und Frieden am Inn“, Stuttgarter Zeitung, 26. 10. 1996
„[…] ist aber erzähltechnisch ein äußerst riskantes Unternehmen, das leicht hätte schief gehen können. Denn Zauner hat versucht, zwei Ebenen zur Deckung zu bringen: die objektive Geschichte und die individuellen Schicksale der Menschen. Wie ein Alltagshistoriker aus der Schule von Carlo Ginzburg hat er minutiös die Details des alltäglichen Lebens, die Arbeits- und Geschlechterverhältnisse in jenen fernen Zeiten recherchiert – und musste sich doch davor hüten, lediglich eine Sozialgeschichte zu schreiben. Er musste vielmehr Menschen aus Fleisch und Blut auf die Erzählbühne bringen. […] Wer eine Parallele sucht, wird sich an Edgar Reitz‘ Fernsehserie Heimat erinnern. Zauner ist mit seinem Romanzyklus das österreichische Gegenstück dazu gelungen.“
Günther Nenning:
Aus: „Das Ende der Ewigkeit“, Kronen Zeitung, 16. 09. 2001
„Krone der Dichtung. Lesestoff für das 3. Jahrtausend […] Friedrich Zauner ist ein Erzähler ohne modische Mätzchen, aber ungemütlich. Seine vier Bände sind ein bäuerliches Heldenepos, aber, wie sich’s für Bauern gehört, ohne Helden […] Das Absterben des Bauernstandes erzählt Zauner unerbittlich. Eine Sozialgeschichte. Aber quer durchs Absterben leuchtet die Sinnlichkeit des Lebens: Lust, Trotz, Mut – Zauner lässt sich nichts entgehen.“
Robert Schurz:
Aus: „Die Alternative“, Hessischer Rundfunk, 14. 04. 1997
„Quer zu diesen Handlungssträngen entwirft Friedrich Zauner in ‚Das Ende der Ewigkeit‘ eine Art Sittengemälde, – eine Beschreibung des dörflichen Lebens zu jener Zeit. Manches entspricht der gängigen Vorstellung, vieles ist überraschend: etwa, dass Kristallzucker ein fast unerreichbarer Luxus war, ebenso wie ein Bett; – dass ein Knecht bei der Verhandlung mit dem Bauern zu Maria Lichtmess sich ausbedingen konnte, wie viel Bier ihm im Dorfgasthaus pro Tag zustanden; dass Faustschläge bei Raufereien verboten waren und die Dorfgemeinschaft informell darüber entschied, wer an der Bürgermeisterwahl teilnehmen durfte. […] ,Das Ende der Ewigkeit‘ – ein gelungenes Projekt, weil hier ambitionierte Geschichtsschreibung und kurzweilige Erzählung zusammenfallen. Der parataktische Stil Friedrich Zauners, der sich der Redeweise der Einheimischen anpasst, die bloße Wort-Reihung, wobei ein fehlerhafter Satzbau durchaus in Kauf genommen wird, trägt nicht wenig dazu bei, das Dorf, vor den Augen des Lesers lebendig werden zu lassen. So sehr, dass man sich am Ende der Lektüre eine Fortsetzung der Geschichte bis in die Gegenwart hinein wünscht.“
Manfred Schlapp:
Aus: „Schatten der Maulwurfshügel“, ORF Ex libris, 20. 12. 1992
„Dieses Buch geht einem unter die Haut. Es erzählt von einer Welt, die scheinbar weit entrückt und in Wahrheit doch ganz nahe ist. ‚Fabula de te narratur – nomine mutato‘, würde der Dichter Horaz sagen: ‚Die Geschichte wird von Dir erzählt – nur die Namen sind ausgetauscht.‘“
